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Marktplatz, Rathaus

Ein historischer Spaziergang durch die Bahnhofstraße von Neustadt-Glewe.

(von Gerhard Düker)

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Marktplatz mit Rathaus

Bild-Quelle: Google Earth

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Die Karte mit Poststempel von 1903 zeigt uns noch die Häuser der Großen Straße 17 und 18.

Auf dieser Postkarte mit Stempel von 1910 sehen wir die Gasse zwischen der Großen Straße 17 und dem Haus Markt 07. Hier standen ehemals 2 Häuser, die der Schulze Busch aus Lüblow kaufte und zu einem Haus ausbaute. Dieser verkaufte es dem Amtmann Weber. Bei den Unruhen der 1848er Revolution wurde dieses Haus schwer beschädigt, da Weber sehr unbeliebt war. Später verkaufte es Weber dann an den Juden Weil. (Aussagen von Zimmerermeister Eduard Müller). Interessant ist die kunstvoll gearbeitete Tür der Gasse

Die Häuser Große Straße 17 und 18 wurde von Richard Vitense 1912 zu einem Warenhaus (ab 1917 Große Straße 19) umgebaut.

Ein Zeitzeuge erzählte, dass es sich um einen Schwarzbau handelte. Aber diese Frage wurde bei einem Glas Bier geklärt.

Belegen konnte der Erzähler das aber nicht.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde es von der HO als Möbelverkaufsstelle genutzt. Das Lager befand sich in der ehemaligen Schmiede von Erdmann.

Der erste Verkäufer der HO, Hans Pallein, ist vielen älteren Neustädtern noch bekannt.

Neustadt-Glewe mit Beleuchtung.

Das Haus wurde von der Wöbbeliner Firma Denissen gekauft und Anfang 2013 begannen die Sanierungsarbeiten.

1924 trafen sich mehrere Radfahrer-Vereine aus Mecklenburg in Neustadt. Im Hintergrund noch einmal die Große Straße 19 und Markt 07 (im rechten Bild).

Diese Aufnahme stammt aus den 1950er Jahren. Noch stehen Lautsprecher auf dem Marktplatz.

Die Häuserfront Markt 03, 05 und 07 in den 1960er Jahren …

… und 1973.

Im Haus Markt 05 wohnt und arbeitet der Stuhlmacher Peters. Er war der Vater von Klempnermeister August Peters, der 1881 seine Klempnerei am Markt eröffnete.

1914 wird hier Schmiedemeister Friedrich Reincke genannt, er stirbt im Februar 1916.

Aber auch ein Schneidermeister Friedrich Reincke wird in diesem Jahr hier aufgeführt.

Die Häuserfront im Frühjahr 2000.

Im Juni 2001 waren die Sicherungsmaßnahmen Markt 03, 05 und 07 abgeschlossen. Es konnte mit der Sanierung des Straßenzuges begonnen werden.

Am 14.September 2003 konnten sich die Neustädter die sanierten Häuser Markt 03 bis 07 zum Tag der offenen Tür ansehen. Die folgenden vier Aufnahmen zeigen die Häuser Markt 05 und 07 in den 1970er Jahren und nach der Sanierung.

Das Haus Markt 03 wurde 1730 gebaut. Die Bauweise und Darstellungen auf alten Postkarten lassen eine gewerbliche Nutzung in der Vergangenheit vermuten.

Im Auftrag vom Kultur- und Heimatverein Neustadt-Glewe wurde von Dirk Schmidt die Balkeninschrift nicht nur am Haus Markt 03 wieder hergestellt.

Im Haus Markt 03 befinden sich bis 1960 ein Laden bzw. dann Lagerräume u.a. vom Besitzer Paul Krey. Außerdem finden wir hier den Elektromeister Otto Schütz.

1960 wurden dann die Räume zu einer Zweizimmerwohnung umgebaut.

Eine Rechnung von Otto Schütz 1955.

Diese Werbung stammt von 1958.

Da Neustadt seit dem Brand von 1728 kein Rathaus mehr besaß, wurde das Haus Markt 05 im Januar 1785 vom hiesigen Magistrat gekauft. Es gehörte vorher Bürgermeister Engel (im Amt von 1753 bis 1784). Bis 1806 war es dann das Neustädter Rathaus.

Nach der Sanierung zog hier die WO-Bau, Rechtsnachfolger der Gebäudewirtschaft, ein. 1866 wohnt hier Bäckermeister Schnetter.

1896 erwirbt Schmiedemeister Otto Erdmann das Haus Markt 07 von Kaufmann Weil aus Hamburg. Er wohnt und arbeitet hier mit seinem Schwager, dem Mehlhändler Fritz Possehl. Außerdem wohnen 1925 noch drei weitere Familien in diesem Haus.

1958 erwirbt Schmiedemeister Ernst Pettel das Haus und bekommt am 25.April 1958 die Gewerbegenehmigung für Fahrzeugbau und für den Hufbeschlag.

Nach der Sanierung zog das Rathaus in der oberen Etage ein. In der unteren versuchten zunächst verschiedene gastronomische Einrichtungen ihr Glück.

Nach erfolgtem Umbau finden wir hier seit dem 29.Oktober 2014 die Bibliothek.

Die Darstellung des Rathauses vom Ludwigsluster Maler Herbert Bartholomäus.

Am 26.Juli 1802 war die Grundsteinlegung für das neue Rathaus. Am 08.April 1806 wurde es vollendet.

Eine Postkarte mit Stempel von 1906 …

… und von 1912.

Diese Aufnahme könnte Mitte bis Ende der 1920er Jahre entstanden sein.

Die linke Postkarte stammt aus der Zeit zwischen 1933 und 1945.

Die rechte muß vor dem 15./16. Mai 1949 aufgenommen worden sein. An diesen beiden Tagen wurde über den III. Deutschen Volkskongress abgestimmt, der am 29./30. Mai stattfand. In der Mitte steht: „Vorwärts im Weltfriedenskampf“, links: „Die Einheit Deutschlands, Einem gerechten Friedensvertrag, dem Abzug der Besatzungstruppen“

Rechts: „Für die Kandidaten der Nationalen Front, Für die Erfüllung des Fünfjahrplanes und damit für bessere Lebensbedingungen“

Hier sehen wir noch den Lautsprecher auf dem Marktplatz. Besonders auffällig ist das große Schaufenster links vom Eingang bei Bäcker Possehl.

Hier sehen wir am Balkon des Rathauses das Emblem des 7 – Jahresplanes (1959 – 1965) der DDR.

Dieser Aufnahme stammt aus den 1950er Jahren.

 

Das Rathaus in den 1960er Jahren …

… und geschmückt zur 725-Jahr-Feier.

Zum Thema Rathaus kommen wir noch einmal zum Schluss.

Jetzt wenden wir uns dem Marktplatz zu.

Dies Aufnahme vom eingerüsteten Rathaus entstand 1988.

Der Neustädter Markt nach einem Sturm im Jahr 1903.

Der Marktplatz wurde für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt. Diese Aufnahmen entstanden zur Erinnerung an die Fahnenweihe der Freien Turnerschaft Neustadt am 17.August 1919.

Sehr oft nutzten die Techniker den Marktplatz für ihre Auftritte. Es muss ein sehr schöner Anblick gewesen sein.

Dasselbe gilt auch für die Aufmärsche der Neustädter Schützenzunft.

Am 06.Januar 1919 marschiert das Königlich Preußische Schleswig-Holsteinische Dragoner-Regiment Nr. 13, von der französischen Front kommend, in Neustadt ein.

Auf dem Marktplatz gab es um 12.00 Uhr einen festlichen Empfang. Senator Züchtig und Pastor Kallies hielten eine Ansprache.

Die Pferde wurden im Lederwerk untergebracht. Am Abend fand dan ein Empfang im Burghotel statt. Am Tag darauf verließ das Dragoner-Regiment die Stadt.

Diese Aufnahmen zeigen den Fahrradkorso 1924, auf dem Bild die Radfahrergruppe aus Güstrow.

Den Höhepunkt der Veranstaltungen auf dem Marktplatz bildete der Frühschoppen aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Technikums Pfingsten 1932.

Hier sei der Hinweis gestattet, dass dies die letzte große Veranstaltung des Technikums war.

Obwohl der Andrang auf diese Einrichtung immer noch groß war, wurde die Schule 1936 geschlossen.

Diese Entscheidung wurde getroffen, weil die finanzielle Belastung, die die Einrichtung für die Stadtkasse darstellte, für Neustadt-Glewe zu hoch war.

Nach dem 30.Januar 1933 wurde der Marktplatz für politische Zwecke genutzt. Hier sehen wir die Belegschaft des Rathauses.

Diese Aufnahme kann anlässlich der Einführung eines neuen Bürgermeisters entstanden sein.

Auch in Neustadt-Glewe wurde der 01.Mai 1933 mit großem Aufwand gefeiert.

Ebenfalls fotografiert wurde der Aufmarsch der „Flieger“.

Auch die junge DDR nutzte den Marktplatz. Diese Aufnahme stammt aus den 1950er Jahren.

Im Bild oben sehen wir noch die Tanksäule vor dem Haus Markt 7.

Die kulturellen Belange kamen ebenfalls nicht zu kurz. Der Rummel fand in den 50er Jahren auf dem Marktplatz statt.

Wir sehen hier eine eher ungewöhnliche Form eines Lageplanes.

Das Haus Markt 02 von Klempnermeister Peters wurde 1891 auf dem Vorgänger errichtet. Die Dachgeschossfenster weisen noch heute darauf hin, dass bereits bei der Bauplanung Zimmer zur Vermietung an Studenten vorgesehen waren.

Das Angebot der Firma war umfassend. Wie diese Werbung von 1899 zeigt, gab es neben der Klempnerei u.a. auch einen Handel mit Fahrrädern. Außerdem lieferte die Firma Peters die erste Schreibmaschine für Neustadt-Glewe an das Rathaus.

Auf dieser Quittung von 1953 finden wir die Preisbindung an das Jahr 1944.

Diese Aufnahme kann um 1900 entstanden sein.

Am rechten Bildrand sehen wir das Haus Markt 04.

Das Bild ist bis 1936 einzuordnen, darauf weist das Wappen der Techniker hin, die hier gewohnt haben. In diesem Jahr wurde das Technikum geschlossen.

Hier finden wir den Laden von Carl Richter links von der Haustür.

Das könnte Ende der 1930er Jahre sein. Das Wappen der Techniker am Haus fehlt bereits.

Ab wann es den Lebensmittelladen gab, konnte noch nicht ermittelt werden

In den Listen von 1917 und 1925 wird hier lediglich die Witwe Richter genannt.

Vor ihrem Haus deutlich sichtbar die beiden Zapfsäulen für Benzin/Diesel und Öl. Sie gehörten ebenfalls den Richters.

1979 eröffnete der Konsum einen Glas- und Porzellangeschäft.

Im November 1991 musste der Bauhof den Tank der ehemaligen Tankstelle unter dem Gehweg mit Kies verfüllen.

Der Giebel Markt 04 im Juli 1997. 

Seit Mai 2009 finden wir in der unteren Etage die Praxis der Physiotherapie Göbel & Kruse.

Auf dieser alten Postkarte haben wir einen Blick vom Marktplatz in die Bleicherstraße.

Im Grundbuch von 1843 (1846) wird das Haus zwischen den heutigen Häusern Markt 04 und 06 als wüste Stelle bezeichnet, gehört aber bereits zum Haus Markt 06.

Das Doppelhaus, heute Markt 06, wurde 1896 von Schlachter Plückhahn aus Parchim erworben. Er baute vermutlich die ehemals wüste Stelle zum Schlachthaus aus.

Der Rathausturm wird 1993 abmontiert um saniert zu werden.

Am 25.März 1993 öffnete Schmiedemeister Dieter Nietschkowski die Schatullen. Es befanden sich darin Mecklenburgische Schillinge, Tabak, Fotografien und Urkunden des 19. Jahrhunderts. Eine dritte Kartusche stammt von 1925. Auf dem Bild v. l.: W. Bahlke, M. Kersten, Projektleiter der GOS, Bürgermeister D. Hublitz, H. Kröger.

Am 30.März 1993 hat der alte, aber sanierte Turm seinen Platz wiederbekommen.

Mitte 1998 waren alle Hürden genommen und es konnte mit der Sanierung des Rathauses begonnen werden. Wer erinnert sich heute noch, dass der Rathaushof von einem alten Wohnhaus und Garagen begrenzt war?

Wer kann sich noch an diesen Haupteingang erinnern?

Interessant sind die Veränderungen am Anbau. Hier hatten wir zuerst die Sparkasse, dann zu DDR-Zeiten das Bauamt und die Abteilung ÖVW (Örtliche Versorgungswirtschaft). Der Anbau hatte einen separaten Eingang.

Ein Blick aus der Kirchengasse auf die eingerüstete Fassade.

Wer kann sich noch an diesen Eingangsbereich erinnern?

Diese alten Tapeten wurden bei der Untersuchung des Hauses gefunden.

Der Fund der Schatulle im August 1999.

Der Abdruck der ersten und der letzten Seite des Briefes „An die Nachkommen über den Bau des Rathauses.“

Rekonstruktion der Farbe gemäß der ersten Farbfassung von 1806.

Vom 26. bis 28.Juli 2000 erfolgte der Umzug in das sanierte Rathaus.

So präsentiert sich das Rathaus heute.

Ob jedem Betrachter auch die Sonnenuhr auffällt…

… und die Elle?

Im März 2000 wurde mit dem Abriss des Wohnhauses und dem Rückbau der Trafostation der Neubau des Parkplatzes begonnen. Die Trafostation rechts neben dem Wohnhaus wurde 1961 gebaut.

Ein auf dem heutigen Parkplatz stehendes Zweifamilienhaus wurde 1937 abgerissen.

Nicht erst seit 2013 sind erhebliche Mängel an der Fassade des sanierten Rathauses sichtbar, leider!

Zum Schluss diese Zeichnung von 1799. Sie zeigt den geplanten Rathausbau (grün) auf dem Marktplatz (die Große Straße führt oben durchs Bild) Nach dem Stadtbrand von 1728 wurde statt eines neuen Rathauses (es wurde ja auch ein Opfer der Flammen) ein Spritzenhaus (rot) errichtet. Wann ist leider unbekannt. Dieses wurde dann hier abgetragen und an der Kirche wieder aufgestellt.

Die gelb gekennzeichneten Gebäude sind bewohnt; die beiden schwarzumrandeten Häuser sind unbewohnt, „wüst“.

Interessant sind die eingetragenen Hausbewohner aus dieser Zeit.

aktualisiert:     08.März 2019

 

 

Gerhard Düker,  2015

 

Auskunft zur historischen Entwicklung der Straße erteilt:

Herr

Gerhard Düker

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